Vom Kloster auf die Bühne

Die Nonne Ani Choying ist nicht nur Nepals erfolgreichste Künstlerin: Mit ihren tibetischen Mantras hat sie auch westliche Konzertsäle erobert.

Begonnen hat alles im Jahre 1985, als Ani Choying Drolma im zarten Alter von 13 in das nördlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gelegene Kloster Nagi Gompa eintrat. Dort begann das Mädchen mit tibetischen Wurzeln, buddhistische Gesänge zu studieren. Jahrelang sang sie nur innerhalb der Klostermauern, bis eines Tages der amerikanische Gitarrist Steve Tibbetts das Kloster besuchte und sie hörte. Ani Choying willigte in eine Aufnahme ein, Tibbetts unterlegte ihre Stimme mit Gitarrenmusik und veröffentlichte eine CD. Der Rest ist Geschichte: Ani Choying hat mittlerweile fünf Alben mit Titeln wie „Lachen“, „Momente des Glücks“ oder „Innerer Friede“ veröffentlicht und sogar einen Nummer-eins-Hit in den nepalesischen Charts gelandet. In Deutschland war sie in diesem Jahr in rund 20 Städten zu hören. Dabei habe sie keineswegs zu singen begonnen, um Sängerin zu werden, betont sie immer wieder. Eigentlich handle es sich bei ihren Gesängen eher um eine Form des Gebets. Nach ihrem eigenen Verständnis tut Ani Choying nichts anderes als andere Nonnen oder Lamas in Tibet, Nepal, Indien und weiteren Ländern während der klösterlichen Übungen auch. Ihre tibetischen Mantras und nepalesischen Lieder haben vor allem einen meditativen und spirituellen Charakter – sie sollen in erster Linie den Geist der Sänger reinigen und heilend wirken.

Spirituelle Lieder und soziales Engagement

Doch wo Licht ist, ist meistens auch Schatten. Während Ani Choying von buddhistischen Zentren und Vereinen auf der ganzen Welt eingeladen wird, um ihre meditativen Gesänge darzubieten, werfen ihr konservative Traditionalisten in Nepal vor, sie missbrauche religiöse Lieder, um bloß Profit zu machen. Dass ihre CDs und Konzerttourneen eine schöne Stange Geld einbringen, bestreitet Ani Choying auch nicht – fügt aber immer wieder hinzu, dass die Einkünfte fast ausschließlich in ein Projekt namens „Nuns Welfare Foundation“ fließen. Dabei handelt es sich um eine Organisation, die sich für eine bessere Ausbildung von Mädchen in Nepal einsetzt, wo nicht einmal ein Viertel der Frauen einen Schulabschluss besitzt. Der bisher größte Erfolg der Foundation war die Errichtung der Arya-Tara-Schule bei Kathmandu, wo derzeit rund 50 Mädchen – vorwiegend angehende Nonnen – eine adäquate Ausbildung erhalten. Damit verbindet Ani Choying auf wunderbare Weise das Angenehme mit dem Nützlichen: Sie schenkt den Menschen weltweit spirituelle Kraft und den Mädchen in ihrer Heimat eine Perspektive.