Das höchste Gut
Wir haben zu wenig davon: Genau das ist es, was wir am häufigsten mit dem Begriff „Zeit“ verbinden. Die meisten von uns hetzen regelmäßig einem Termin nach und kommen dennoch andauernd zu spät. Auch kürzere Arbeitszeiten, leistungsfähigere Computer und modernere Haushaltsgeräte ändern nichts daran.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wir brauchen einfach mehr davon – von der Zeit! Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Aber genau das ist das Stichwort! Zeit kann man nicht kaufen, Zeit muss man sich nehmen!
Objektiv betrachtet, kann man natürlich nicht zu viel oder zu wenig Zeit haben, da die Zeit für alle gleich verstreicht. Das Problem ist vielmehr, dass die meisten von uns für jenes Maß an Zeit, das ihnen zur Verfügung steht, einfach zu viel zu tun haben. Die Agenda, also die Liste von notwendigen Erledigungen, die sich jeder von uns Tag für Tag zurechtlegt, ist einfach zu lang.
Dies liegt historisch betrachtet daran, dass unsere Zivilisation gelernt hat, die Zeit mit der Uhr zu messen und mit Geld zu bezahlen. In früheren Jahrhunderten gab es noch den Begriff des „Tagwerks“, womit die Summe der Arbeiten gemeint war, die sich zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang bewerkstelligen ließen. Was machbar war, wurde erledigt, was nicht mehr ging, wurde auf den nächsten Tag verschoben. In weniger industrialisierten Kulturen ist das heute noch so und man stößt auf Unverständnis, wenn man dort mit jemandem einen exakten Termin ausmachen möchte.
Entziehen Sie sich dem Diktat der Uhr!
Da wir dieses natürliche Verhalten aber verlernt haben, sind wir zu Sklaven unserer Uhren geworden. Und da Pünktlichkeit gerade in unseren Breitengraden eine Kardinaltugend ist, bemüht sich jeder von uns verzweifelt, seinen Zeitplan einzuhalten.
Das ist aber angesichts der vielen Aufgaben im Beruf und im Haushalt oft nur noch möglich, indem man mehrere Tätigkeiten gleichzeitig zu erledigen versucht. Dieses „Multitasking“, wie man diese Vorgangsweise nennt, beherrschen Frauen einschlägigen Studien zufolge zwar besser als Männer, Hektik kommt aber auch bei ihnen auf.
Und diese permanente Hektik führt zu Stress, der uns wiederum krank macht. Da weder die menschliche Psyche noch der menschliche Organismus für Multitasking konstruiert sind, kommt es nicht nur zum viel zitierten Burnout-Syndrom, sondern auch zu Bluthochdruck, Herzbeschwerden und Leiden im Verdauungstrakt.
Die einzige Lösung kann also nur darin liegen, der ständigen Überforderung den Kampf anzusagen und dem ewigen Zeitdruck zu entfliehen. Womit wir allerdings wieder am Anfang wären: Zeit kann man nicht kaufen, Zeit muss man sich nehmen! Doch dies ist natürlich leichter gesagt als getan! Am einfachsten ist es, mit kleinen Schritten anzufangen und sich gegebenenfalls zu steigern.
Reduzieren Sie Ihre Aufgaben!
1. Experten raten, wenigstens an Wochenenden und während des Urlaubs die Uhr abzunehmen und bewusst jegliche Art von Zeitplan zu vermeiden – dies wäre schon einmal der erste Schritt in die richtige Richtung. Wenn man schon gezwungen ist, sich an Wochentagen nach den Vorgaben der Uhr zu richten, dann sollte man das wenigstens dann vermeiden, wenn es ohne negative Folgen bleibt. Viele von Ihnen werden erstaunt sein, wie einfach und gleichzeitig wohltuend das doch ist!
2. Für viele Menschen ist der regelmäßige Stress hausgemacht, indem sie sich auch in der Freizeit zu viel vornehmen. Überlegen Sie, ob es wirklich notwendig ist, an einem ohnehin schon kurzen Wochenende shoppen zu gehen, die Eltern zu besuchen, sich mit Kollegen zum Sport zu treffen und zudem noch Freunde zum Essen einzuladen. Weniger ist oft mehr! Machen Sie nicht zu viele Termine aus, dann entkommen Sie auch viel eher dem Freizeitstress!
3. Wer direkt vom Stress im Beruf in den Stress in den eigenen vier Wänden schlittert, darf sich nicht wundern, wenn keine Zeit für die eigenen Bedürfnisse bleibt. Vor allem Frauen tappen nur allzu leicht in diese Falle. Wer von der Arbeit kommt und dann auch noch eine perfekte Hausfrau, Mutter und Partnerin sein möchte, wird auf Dauer überfordert. Setzten Sie sich hin und notieren Sie in Ruhe alle Aufgaben, die Sie seit Jahren aus Gewohnheit erledigen, obwohl sie nicht unbedingt notwendig sind, und streichen Sie diese aus Ihrem Zeitplan! Sie werden auf diese Weise mehrere freie Stunden pro Woche gewinnen, die sie zum Ausspannen und für Ihre wahren Interessen nützen können!
4. Wenn Sie Ihren Freizeitplan gestrafft und Ihren Arbeitsplan für den Haushalt entrümpelt haben und dennoch zur Erkenntnis gelangen, dass es Ihnen an allen Ecken und Enden an Zeit fehlt, dann hilft nur noch eine drastische Maßnahme, um mehr Zeit für sich zu gewinnen. Überdenken Sie Ihre berufliche Situation! Wer keine Schulden hat, keine Ambitionen auf einen Aufstieg in die Chefetage hegt und auch kein ausschweifendes Leben führt, sollte sich fragen, ob er nicht auch mit einem Teilzeitjob sein Auslangen findet. Vielleicht bringt Ihnen ein solcher genügend Geld für ein sorgloses Leben ein und verhilft Ihnen gleichzeitig zu einem ungeahnten Mehr an Freizeit – und Freiheit!
Sie sehen also, dass es sehr wohl möglich ist, sich dem Diktat der Uhr wenigstens teilweise zu entziehen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Und bloß hin und wieder die Uhr abzunehmen, reicht auf Dauer auch nicht aus. Das Allerwichtigste ist die Erkenntnis, dass jeder Mensch sich und sein Tun regelmäßig hinterfragen sollte. Wenn man dabei den Eindruck bekommt, auf dem falschen Weg zu sein, dann ist es nie zu spät für eine Kurskorrektur. Wer Prioritäten für sich und sein Leben setzt und sich an diesen orientiert, der kann tatsächlich – wenigstens hin und wieder – Herr über die Zeit werden.
