Beziehungs-Exit

Die ewige Liebe ist leider selten und die meisten Partnerschaften haben ein Verfallsdatum. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihre Beziehung souverän und ohne böse Nachwirkungen beenden!

Silke und Jürgen waren sechs Jahre lang zusammen. Eigentlich galten die beiden als Traumpaar. Doch hinter der intakten Fassade begann die Beziehung bereits nach vier Jahren zu bröckeln. Zu unterschiedlich waren die Lebenseinstellungen, zu verschieden die Interessen. Am Ende hatte man einander nichts mehr zu sagen – außer Gemeinheiten, die man einander regelmäßig an den Kopf warf. Schon lange unter der Oberfläche brodelnde Emotionen wurden hochgespült und entluden sich in heftigen Gewittern. Es gab kaum ein Thema, über das sich die beiden nicht in die Haare kriegten – und natürlich spielte das liebe Geld eine ganz besondere Rolle.
Mittlerweile sind Silke und Jürgen getrennt. Einigung über offene Fragen aus der gemeinsamen Vergangenheit konnten die beiden bisher nicht erzielen. Das dürfte auch in absehbarer Zeit nicht möglich sein, zumal sie seit ihrer Trennung kein einziges Wort mehr miteinander wechseln und nur schlecht übereinander sprechen: das traurige Ende einer verheißungsvollen Liebe …

Seien Sie sich der vielen Fallen bewusst!

So wie Silke und Jürgen geht es leider vielen Paaren. Am Anfang der Partnerschaft stehen immer große Gefühle und die Hoffnung, endlich mit dem oder der „Richtigen“ alle Höhen und Tiefen des Lebens bis ins Alter gemeinsam bewältigen zu können. In unserer modernen Welt wird es aber immer schwieriger, diesem romantisierten Partnerschaftsideal zu entsprechen. Die Welt – und unser persönlicher Alltag – wird immer komplizierter. Und auch der berufliche Überlebenskampf wirft besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten seine Schatten bis in das intimste Privatleben.
Nicht zu vergessen sind zudem aufgestaute Wut aufgrund von ungerechter Arbeitsteilung im Haushalt, unterschiedliche Ansichten bei der Kindererziehung sowie belastende Schulden, welche die zarten Bande so mancher Liebesbeziehung in vielen Fällen überdehnen. Der Zeitfaktor spielt in modernen Paarbeziehungen ebenfalls eine große Rolle, denn wer kann sich heute aufgrund der längeren Lebenserwartung schon vorstellen, fünfzig oder sechzig Jahre mit einem Partner zu verbringen – Treue und Leidenschaft inklusive?

Überlegen Sie sich genau, was Sie wirklich wollen!

Gründe für eine Trennung gibt es leider nur allzu viele, dennoch sollte man vor dem finalen Schritt noch einmal in sich gehen. Überlegen Sie sich genau, was Sie wirklich wollen und hören Sie dabei sowohl auf Ihr Herz als auch auf Ihren Verstand! Gibt es vielleicht Alternativen zu einer endgültigen Trennung – etwa eine Trennung auf Zeit? Falls nur noch ein Beziehungs-Exit infrage kommt, sollten Sie sich ein geeignetes Prozedere überlegen und im Geiste auch das Verhalten der unmittelbar Betroffenen – Partner und Kinder – durchspielen. Neigt der Partner zu Gewaltausbrüchen oder Depressionen bis hin zu Selbstmorddrohungen, so ist dies natürlich schon vorher zu berücksichtigen: Lassen Sie sich aber auf keinen Fall durch Drohungen des Partners manipulieren oder erpressen!
Setzen Sie sich noch vor der Trennung mit sich selbst auseinander, indem Sie sich über die Vor- und Nachteile einer Trennung klar werden! Warum sind Sie mit Ihrem Partner trotz gröberer Probleme noch immer zusammen? Haben Sie Angst vor einem Scheidungskrieg oder dem Alleinsein? Stehen Sie ohne Ihren Partner vor dem finanziellen Nichts? Spielen Sie am besten alle möglichen Vor- und Nachteile verschiedener Trennungsszenarien – sofortige Trennung, spätere Trennung, keine Trennung – durch und vergessen Sie dabei nicht, Zukunftsperspektiven zu entwickeln! Wie könnte es Ihnen dabei in einem Jahr gehen? Auch wenn die Reaktionen Dritter und die damit verbundenen Konsequenzen bedacht werden sollten: Es ist Ihr Leben und es geht um Ihr persönliches Glück!

Versuchen Sie, einen kühlen Kopf zu bewahren!

Falls die Lebensgemeinschaft nicht mehr zu kitten ist, obwohl Sie alles Menschenmögliche versucht haben, wird eine Trennung unvermeidlich. Damit stirbt aber nicht nur der schöne Traum von einer gemeinsamen Zukunft, sondern auch das Idealbild des Partners. Während dieses emotionalen Ausnahmezustandes ist Fingerspitzengefühl gefragt, um das Ganze nicht zum traumatischen Erlebnis ausarten zu lassen, das Ihnen als „Altlast“ einen neuen Anfang erschwert. Nach allem, was vorgefallen ist, scheint ein nüchterner und rationaler Umgang miteinander vielfach als schier unmögliches Vorhaben. Versuchen Sie aber trotzdem, einen kühlen Kopf zu bewahren, damit die Trennung nicht in Machtkämpfe ohne Gesprächsbasis ausartet!
Auch wenn die Liebe mittlerweile verflogen ist, können Ihnen gerade in dieser schwierigen Phase schöne Erinnerungen an die vergangene Partnerschaft weiterhelfen: Was haben Sie an ihm oder ihr einmal so geliebt? Gab es unvergessliche Augenblicke oder gibt es entzückende Kinder? Diese positiven Dinge können Ihnen helfen, während hitziger Debatten einen kühlen Kopf zu bewahren, denn im Guten kann man mehr gewinnen als im Streit! Lassen Sie sich im Zuge des Gefechts nicht zu unbedachten Äußerungen provozieren: Falls das Niveau des gemeinsamen Gespräches unter die Gürtellinie zu rutschen droht, brechen Sie es am besten ohne weitere Vorwürfe ab. Sonst wird der Scherbenhaufen immer größer! Wärmen Sie keine alten Kamellen auf, denn das bringt Ihnen nichts – außer einem Kleinkrieg!
Versuchen Sie stattdessen, sachlich zu bleiben, indem Sie sich emotional organisieren: Strukturieren Sie Ihre Forderungen in schriftlicher Form, bevor Sie diese vortragen! Machen Sie sich bei gemeinsamen Absprachen kurze Notizen – und last but not least: Nützen Sie die schriftliche Kommunikationsform, wenn kein vernünftiges Gespräch mehr möglich ist. Eine angemessener, respektvoller Umgang ist nicht nur der zivilisiertere Weg ins neue Leben, sondern lohnt sich auch im Hinblick auf finanzielle oder sorgerechtliche Debatten. Sie brauchen Ihre Kraft für später – verzetteln Sie sich nicht in unnötigen Streitereien!

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es nach wie vor geliebt wird!

Noch komplizierter wird eine Trennung, wenn es gemeinsame Kinder gibt. In diesen Fällen ist äußerstes Fingerspitzengefühl gefragt! Kinder sind besonders sensibel und spüren Spannungen schon recht früh, gehen damit aber unterschiedlich um. Die einen verleugnen sie aus Angst, ihren gewohnten Alltag zu verlieren, andere zerbrechen beinahe psychisch an den innerfamiliären Konflikten. Gerade in dieser krisenhaften Phase sollten beide Elternteile zum Wohle des Nachwuchses über ihren Schatten springen.
Das Wichtigste dabei: Treten Sie trotz Trennungsabsichten gemeinsam als Eltern auf! Vermeiden Sie es, Streitigkeiten direkt vor den Kindern auszutragen oder gar Kinder als Druckmittel zu verwenden! Beide Elternteile sollten dem Kind gemeinsam gegenübertreten und ihm einfühlsam die zukünftige Entwicklung und deren praktische Folgen für das familiäre Zusammenleben erklären. Je konkreter die Informationen über den künftigen Wohnsitz, die Betreuung und anderer Veränderungen im Alltag sind, desto besser können sich die Kinder darauf einstellen. Lassen Sie Ihr Kind auf keinen Fall in dieser schwierigen Situation allein, sondern zeigen Sie ihm, dass die Trennung nichts mit ihm zu tun hat und es von beiden Elternteilen nach wie vor geliebt wird!
Beide Elternteile sollten versuchen, dem Kind Zukunftsängste zu nehmen, aber keine Versprechungen machen, die nicht gehalten werden können, denn das würde nur zu noch schlimmerer Verunsicherung führen. Lassen Sie das Kind auch selbst zur neuen Lebenssituation Stellung nehmen: So gewinnt es die Kontrolle über sein Leben zurück. Unterschätzen Sie es nicht, denn oft haben Kinder genialere Lösungsvorschläge als Erwachsene! Eine wissenschaftliche Studie der Universität München belegt übrigens, dass eine Trennung zwar kein Honiglecken für Kinder ist, aber eine Scheidung, in der die Kinder sensibel eingebunden werden, weniger belastend ist als ein Dauerkonflikt zwischen den Eltern.

Niemand muss auf Rechtsberatung verzichten!

Besonders wichtig für den Start in das neue Leben ist natürlich die finanzielle Absicherung – vor allem, wenn kleine Kinder aus der Beziehung hervorgegangen sind. Klären Sie, wer in der Wohnung bleiben darf, wie es mit der Gütertrennung aussieht und in welcher Höhe etwaige Unterhaltszahlungen ausfallen sollten.
Lassen Sie sich unbedingt über Ihre Rechte und Möglichkeiten juristisch aufklären – denn nur wer weiß, was ihm zusteht, kann gut verhandeln! Niemand muss auf Rechtsberatung verzichten, denn es wird bei Bedarf auch vergünstigte oder sogar kostenlose Hilfe angeboten. Schaffen Sie sich einen soliden Überblick hinsichtlich Gütertrennung, Unterhalt und Zahlungsmodalitäten. Grundsätzlich gilt: Einvernehmliche Klärungen sparen Nerven und Zeit – aber lassen Sie sich vom Expartner nicht unter Druck setzen!
Falls Sie die Trennung lieber ohne Anwälte bewerkstelligen und trotzdem nicht auf die professionelle Hilfe eines Dritten verzichten wollen, bieten sich die Dienste eines Mediators an. Neben Anwälten zählen zu den Mediatoren auch Angehörige psychosozialer Berufe, die gemeinsam mit den ehemaligen Partnern nach einer gerechten Lösung auf friedlicher Basis suchen. Mit etwas gutem Willen stellt diese Art der Konfliktlösung eine günstige Alternative zum Gerichtsweg dar.

Frauen sind nach der Trennung zufriedener als Männer

Frauen trifft eine Trennung oft doppelt schwer: Der Traum vom ewigen Glück ist wie eine Seifenblase zerplatzt und überdies stehen sie oft vor dem finanziellen Nichts. Viele Frauen ertragen eine schlechte Beziehung länger, als ihnen lieb ist, weil sie vom Mann finanziell abhängig sind oder gemeinsame Schulden das geringe Einkommen auffressen. Erkundigen Sie sich in diesem Falle möglichst früh beim Sozialamt, ob Ihnen Zuschüsse bewilligt werden. Der Gang zum Finanzamt sollte ebenfalls rasch erledigt werden, da man durch die Auflösung einer Lebensgemeinschaft in eine neue Steuerklasse fallen kann.
Wer meint, die Trennung und die damit verbundenen Probleme nicht allein bewältigen zu können, wird nicht im Stich gelassen: So helfen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen über die erste Krise hinweg und im Internet bieten psychologisch betreute Foren kostenlos Raum zum Erfahrungsaustausch an. Ebenfalls im Internet – aber kostenpflichtig – werden Seminare zur friedlichen Trennung angeboten. Als preiswerte Alternative gibt es unzählige Lebensberatungsbücher zum Thema Trennung und Neubeginn. Der „Verband allein erziehender Mütter und Väter“ bietet in vielen Städten Deutschlands neben der Beratung auch eine Kinderbetreuung an, was besonders in der ersten turbulenten Phase von Vorteil sein kann.
Übrigens: Obwohl Frauen häufig mit den negativen wirtschaftlichen Folgen einer Trennung zu kämpfen haben, besagt eine Studie des Zentrums für Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Universität Köln, dass sie danach wesentlich zufriedener sind als Männer und ihre neue Unabhängigkeit und Selbstständigkeit mehr schätzen. Als Erklärung wird angegeben, dass Frauen die Spannungen innerhalb der Beziehung früher wahrnehmen als Männer und daher auch die Krise eher überwinden …

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