Beziehungskiller Eifersucht

Misstrauische Fragen, Kontrollanrufe, durchwühlte Taschen – wenn Eifersucht erst einmal gewisse Ausmaße angenommen hat, kann sie zum Tod für jede Beziehung werden.

Sabine ist eine lebenslustige junge Frau, die gerne im Mittelpunkt steht und es genießt, mit ihren Freunden die Freizeit zu verbringen. Dass sie wegen ihrer offenen Art immer wieder von Männern angesprochen wird, ist für sie kein Problem. Wohl aber für Holger, mit dem sie seit einem halben Jahr liiert ist.
„Ich liebe Sabine wirklich sehr, ich würde alles für sie tun und trage sie auf Händen. Der Gedanke, dass ein anderer kommen und sie mir wegnehmen könnte, macht mich ganz krank“, erzählt uns Holger. „Wenn Sabine alleine mit ihren Freundinnen unterwegs ist, sitze ich zu Hause und male mir die schlimmsten Dinge aus. Sie ist eine so attraktive Frau, dass sie ständig angemacht wird und irgendwann wird sie vielleicht wirklich schwach.“
Für Sabine eine völlig abwegige Vorstellung: „Treue ist in einer Partnerschaft für mich absolut wichtig. Ich bin mit Holger zusammen und interessiere mich für niemand anderen. Ich verstehe nicht, warum er immer so misstrauisch ist.“ Dieses Misstrauen hat schon so manchen Streit provoziert, denn Holger fragt Sabine immer aus, will alles genau wissen und wittert hinter den harmlosesten Gesprächen gleich wilde Affären.

Du gehörst zu mir!

„Manchmal denke ich mir selbst, dass ich übertreibe, aber andererseits weiß ich doch, wie es läuft: Ein Gläschen zu viel getrunken, der charmante junge Mann wirkt plötzlich noch attraktiver und dann ist schnell vergessen, dass man ja eigentlich vergeben ist“, erklärt Holger seine Sicht der Dinge. Er merkt gar nicht, dass er Sabine mit seinem Verhalten sehr zusetzt. Sie steht seinen Gefühlen hilflos gegenüber, weiß nicht, wie sie ihn davon überzeugen kann, dass seine Eifersucht unbegründet ist. Holger leidet unter der Vorstellung, seine Freundin zu verlieren, schließlich gehört sie zu ihm und zu keinem anderen.
Dass Eifersucht nicht unbedingt zu den schönsten Gefühlen zählt, zeigt schon die Herkunft des Wortes, leitet es sich doch vom althochdeutschen „eiver“ (das Bittere), und „suht“ (Krankheit) ab. Und eine bittere Krankheit kann die Eifersucht wahrlich werden, wenn sie zu sehr überhand nimmt.
Ein gewisses Maß an Eifersucht ist ja nichts Schlechtes, zeigt sie doch, dass wir uns einem Menschen emotional stark verbunden fühlen, ihn nicht verlieren wollen, bereit sind, für ihn zu kämpfen. Die negativen Seiten sind jedoch übertriebene Verlustängste, Kontrollwahn, extreme Besitzansprüche und Misstrauen. Lauter Dinge, die für eine Beziehung nicht gerade förderlich sind.

Kann ich dir vertrauen?

Vertrauen ist ein wichtiger Grundstein für eine funktionierende Beziehung. Wenn man seinem Partner nicht vertraut, sind Probleme vorprogrammiert. Gerhild ist von Natur aus eher misstrauisch. „Ich vertraue niemandem blind. Wer sich auf andere verlässt, wird meist verlassen. Ich würde schon sagen, dass ich eifersüchtig bin. Dass Hans, mein Freund, sich mit einer anderen treffen könnte, ist eine schlimme Vorstellung“, erklärt die 30-Jährige.
Dass sich hinter ihrem Misstrauen eigentlich die Angst, verletzt zu werden, verbirgt, will sie nicht zugeben. Auch nicht, dass sie ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl hat und unbewusst überzeugt ist, gar nicht liebenswert zu sein. Ihre Schwächen führen zu jener Eifersucht, die es ihr unmöglich macht, eine entspannte, vertrauensvolle Beziehung zu führen.
„Hans geht mit seinen Freunden gerne mal ein Bier trinken. Vor diesen Abenden fürchte ich mich schon vorher, denn dann mache ich schlimme Stunden durch. Ich versuche fernzusehen, zu lesen, aufzuräumen, kann mich aber auf nichts konzentrieren. Ich frage mich immer nur, mit wem er wohl unterwegs ist, warum er eigentlich nicht bei mir sein will, ob ich ihn so langweile, dass er flüchten muss. Ich kann nicht schlafen, bis er zu Hause ist und dann muss ich mich sehr zusammennehmen, ihn nicht haarklein auszufragen. Schließlich will ich ihn nicht verärgern“, sagt Gerhild.

„Krankhaft“ eifersüchtig

Wie Gerhild geht es vielen Frauen und Männern, die mit Eifersucht zu kämpfen haben. Völlig irrationale Gedanken machen sich breit, auf Dauer kann eine Beziehung so zerstört werden. Die Eifersucht kann so weit gehen, dass sie krankhafte Ausmaße annimmt. Warnzeichen sind Kontrollanrufe, ständiger Streit wegen vermuteter Untreue, das Durchsuchen von Kleidung und Taschen oder die Einschränkung der Freiheit des Partners.
Wenn der Alltag von Eifersucht bestimmt wird, ist es höchste Zeit das Problem zu bearbeiten. Schließlich ist es weder für den Eifersüchtigen noch für das „Opfer“ eine angenehme Situation. Wenn Diskussionen und sachliche Gespräche zu nichts führen, wenn man trotz ernsthafter Bemühungen auf der Stelle tritt, sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Einige Kliniken bieten sogar eigene Eifersuchtssprechstunden an, um den Betroffenen zu helfen, aus den eigenen Gedankenspiralen zu entkommen.
Auch Gerhild hat mittlerweile erkannt, dass sie mit sich ins Reine kommen muss, sich ihren Schwächen und Ängsten stellen muss, wenn sie Hans nicht verlieren will. Der Termin mit dem Psychologen ist schon vereinbart, Gerhild und Hans hoffen beide, dass die Persönlichkeitsarbeit fruchten wird, denn schließlich wollen sie sich ihre Liebe nicht durch die „bittere Krankheit“ zerstören lassen.

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