Die chinesische Astrologie: Streben nach Erkenntnis

Die Tradition der chinesischen Astrologie ist tatsächlich 5000 Jahre alt und gehört mit der vedischen Astrologie und der babylonischen Astrologie, aus der sich die abendländische Astrologie entwickelte, zu den ältesten Formen der Sterndeutung. Die Astrologie beeinflusst das Leben vieler Menschen – nicht nur im Herkunftsland China, sondern auch in Japan, Korea und Südostasien.

Für die westliche Welt sind Tradition und die Lebensphilosophie der Asiaten aber bisweilen nur schwer verständlich. Als erstrebenswert gelten nicht Macht und Geld, sondern die totale innere Freiheit und Selbstverwirklichung des Einzelnen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht „was kann ich haben?“, sondern, „was kann ich sein?“ Das Vorbild ist nicht der große Boss oder der Finanzguru, sondern der Weise, der arm und nackt in totaler innerer Freiheit und vollkommener Glückseligkeit lebt. Er ist der Inbegriff der Selbstverwirklichung des Menschen – ihm huldigen sogar die Herrscher.

Daher interpretieren die Asiaten das Horoskop völlig anders als wir. Der Asiat denkt nicht, er habe diese oder jene Fähigkeiten, Anlagen und Schwächen in seinem Horoskop, sondern er fragt sich, wie er in allen Lebensbereichen innere Freiheit und ewigen Frieden erreichen könne. Und er glaubt, das am besten zu schaffen, indem er wird wie das ihm durch sein Geburtsjahr zugeordnete Tier.

Naturgemäß gibt es erhebliche Unterschiede zur abendländischen Astrologie. Das fängt schon damit an, dass die alten chinesischen Gelehrten die fünf ihnen bekannten Planeten nach den fünf Elementen benannten, die auch im Horoskop eine große Rolle spielen: Der Merkur heißt Wasserstern, der Mars Feuerstern, die Venus Metallstern, der Jupiter Holzstern und der Saturn Erdstern. Viel wichtiger ist aber, dass im Gegensatz zur westlichen Astrologie nicht die Position der Sonne, sondern jene des Mondes zum Zeitpunkt der Geburt bestimmt, welchem Sternzeichen ein Mensch zugeordnet wird. Der Zyklus ist auch nicht wie im westlichen Tierkreis in zwölf Monate unterteilt, sondern in zwölf Jahre.

Der Ursprung dieses Horoskops geht auf eine alte Legende zurück. Buddha soll nach der Schöpfung alle Tiere zusammengerufen haben, um sich mit ihnen über Astrologie zu unterhalten. Aber nur zwölf Tiere hielten es für nötig, zu erscheinen. Da bot Buddha jedem der zwölf Tiere ein Jahr an: Jedes Jahr sollte von nun an den Namen eines Tieres tragen und jedes Tier sollte auf die Ereignisse während seines Jahres Einfluss ausüben können – und damit auf das Schicksal der Menschen, die in dieser Zeit geboren werden.

Das erste Jahr wurde der Ratte zugesprochen, die als erstes der Tiere zur Stelle war. Es folgten Büffel (manchmal auch Kuh), Tiger, Hase (manchmal auch Katze), Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund und das ein wenig zaghafte Schwein. In der chinesischen Astrologie spricht man übrigens nicht von Sternzeichen, sondern von Erdzweigen (Pinyin).

Die zwölf Erdzweige

Tze, die Ratte: Die wesentlichen Eigenschaften der Ratte sind Charme und Angriffslust. Auf den ersten Blick erscheint sie ruhig, ausgeglichen und heiter. Aber dahinter verbirgt sich ständige innere Bewegung. Sie ist eine Spielerin und Feinschmeckerin und möchte sich nichts entgehen lassen.

Kiu, der Büffel (Kuh): Der Büffel ist geduldig und ruhig, zurückhaltend und ausgeglichen, methodisch und genau. Hinter seinem etwas schwerfälligen Äußeren verbergen sich originelle Ideen und Intelligenz. Er ist ein besinnlicher Typ, der die Einsamkeit liebt. Aber trotz seines ruhigen Gehabes ist der Büffel ein Choleriker.

Ying, der Tiger: Der Tiger hat ein aufbrausendes Wesen und greift gern Leute an, die rangmäßig über ihm stehen. Er ist aus dem Holz geschnitzt, aus dem Revolutionäre und Führer gemacht sind. Der Tiger kann Broker oder auch ein berüchtigter Gangster werden. Er liebt jeden Beruf, der ein Risiko bietet.

Mao, der Hase (Katze): Der Hase ist begabt und ehrgeizig, ohne ein Streber zu sein. Man schätzt ihn als diskret, zurückhaltend und tugendhaft. Außerdem ist er sehr redegewandt und weiß sich stets ins rechte Licht zu setzen. Da er ein bisschen ängstlich ist, unternimmt er nichts, ohne vorher gründlich das Für und Wider erwogen zu haben.

Sheng, der Drache: Der Drache strotzt förmlich vor Gesundheit, Kraft und Energie. Er ist sehr offenherzig, niemals kleinlich, hasst Heuchelei und Klatsch und besitzt nicht das geringste diplomatische Geschick. Sein Streben nach Vollkommenheit zwingt ihn dazu, an sich sehr hohe Anforderungen zu stellen.

Sze, die Schlange: Die Schlange denkt viel und tief nach. Sie besitzt einen starken Instinkt, der zu ausgesprochenen hellseherischen Fähigkeiten führen kann. Sie ist sehr entschlossen und selbstbewusst und kann es nicht ertragen, in irgendeiner Situation zu scheitern. Die Schlange ist hilfsbereit – leider wird sie dabei oft besitzergreifend.

Wu, das Pferd: Das Pferd hat Geschmack und ist sehr vielseitig. Es liebt die Show, das Theater, Konzerte, Partys, sportliche Veranstaltungen – kurz alles, was die Massen anzieht. Das Pferd versteht es, Komplimente zu machen. Es ist fröhlich, sympathisch und hält gerne Reden. Es hat einen beweglichen Geist und weiß schon im Voraus, was die Leute hören oder sagen wollen.

Wie, die Ziege: Die Ziege ist elegant, künstlerisch begabt und naturliebend. Sie könnte das charmanteste aller Wesen sein, wenn sie nicht so unbeständig und pessimistisch wäre. Sie passt sich mit Leichtigkeit jeder Lebensweise an, sobald ihr jemand nur die geringste Sicherheit bietet. Sie hat es gern, wenn man von ihr spricht, aber sie verzichtet nie auf ihre ewigen Ausflüchte und Klagelieder.

Sung, der Affe: Der Affe ist ein boshafter Spaßmacher, hat oft Humor, manchmal auch Geist, aber er ist immer durchtrieben. Er ist vergnügt, liebenswert und sogar hilfsbereit. Die geringe Meinung, die er von anderen hat, verbirgt er hinter seinem leutseligen Wesen. Er liest alles und weiß unglaublich viel. Er ist kultiviert und oft sogar gelehrt.

Yu, der Hahn: Der Hahn ist äußerst offenherzig, manchmal sogar brutal und aggressiv. Er sagt, was er denkt – so wie es ihm gerade durch den Kopf geht. Die Gefühle der anderen sind ihm dabei vollkommen gleichgültig. Trotzdem will der Hahn beachtet und anerkannt werden. Er neigt auch dazu, sich besonders auffällig zu kleiden.

Shin, der Hund: Der Hund ist verschlossen, wachsam und äußerst starrköpfig. Er ist ein ausgesprochener Pessimist und erwartet nichts Gutes vom Leben. Oberflächlich betrachtet, erscheint der Hund kaltblütig, aber dieser Eindruck täuscht. Er ist nur unsicher und zweifelt ohne Unterlass an seinen eigenen Gefühlen. Trotzdem ist er loyal, treu und pflichtbewusst.

Han, das Schwein: Das Schwein ist hilfsbereit, gutmütig, vertrauensselig und schutzbedürftig. Es wird niemals jemanden verraten oder täuschen. Es lässt sich leicht verschaukeln, erträgt aber seine Misserfolge mit Heiterkeit. Das Schwein ist hoffnungslos aufrichtig und nimmt die Unaufrichtigkeit seiner Feinde fassungslos hin. Es ist zwar intelligent, aber meist nicht sehr geschickt.

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