Ich bin kein Guru …

Der Schweizer Pirmin Loetscher ist nicht nur Eventmanager, Unternehmensberater, Mentalcoach und Achtsamkeitstrainer, sondern avancierte mit zwei Lebenshilfebüchern auch zum Bestsellerautor.

Die besten Geschichten schreibt ja doch das Leben! Der 1978 in Luzern geborene Pirmin Loetscher war einige Jahre in seinem erlernten Beruf als Maurer tätig, bis ihn eine langwierige Erkrankung zwang, sein ganzes Leben zu überdenken – und sich als Kultur- und Eventmanager für große Musik- und Businessprojekte selbstständig zu machen.

Die krankheitsbedingte Beschäftigung mit autogenem Training weckte in ihm allerdings auch das Interesse für das Thema „Achtsamkeit“. So absolvierte er eine ganze Reihe einschlägiger Ausbildungen und ist heute Dipl. Hypnosetherapeut, Dipl. Meditationslehrer und Dipl. Trainer für autogenes Training.

Die Erkenntnisse, die er dabei gewann, wollte er jedoch nicht nur jenen Menschen zugutekommen lassen, welche die Seminare seiner Lebens- und Unternehmensberatung „Life Inspired Values“ besuchen, sondern mit möglichst vielen Leuten teilen.

Also entschloss er sich, seine Erfahrungen niederzuschreiben und in Buchform zu veröffentlichen – und die Werke „Annehmen und Loslassen“ sowie „Das LIV Prinzip“ wurden postwendend zu Bestsellern! Pirmin Loetscher, der heute im Kanton Nidwalden lebt, gab Astroblick folgendes Interview:

Herr Loetscher, eine längere Krankheit animierte Sie zu einer beruflichen Neuorientierung. Woher nahmen Sie die Kraft, Ihr Leben völlig umzukrempeln?

Das autogene Training hat mir geholfen, mich wieder in meine Balance zu bringen, Schritt für Schritt meine eigenen Werte zu erkennen und mein Leben nach diesen auszurichten. Ich merkte, wie ich danach wieder mir und meinen Werten treu sein konnte und die Kraft hatte, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe aufgehört, etwas sein zu wollen, was ich nicht bin, und dadurch angefangen, ich selbst zu sein.

Sie legen Wert auf die Feststellung, weder ein Guru noch ein Heiliger zu sein. Wollen Sie es vermeiden, in diese Ecke gedrängt zu werden?

Es macht mir nichts aus, wenn Menschen mich in eine Ecke drängen oder über mich urteilen. Mir geht es bei dieser Äußerung darum, dass ich jeden Menschen auf gleicher Ebene betrachte. Ich mache keinen Unterschied, wer was ist und was er mitbringt. Jeder Mensch hat denselben Respekt verdient und niemand hat das Recht, sich über andere Menschen zu stellen. Und genauso will ich meine Aussagen in meinen Büchern wiedergeben, von Mensch zu Mensch und jederzeit auf gleicher Ebene. Ich bin voller Fehler und dies stelle ich auf den ersten Seiten klar. Durch einen Titel wie „Guru“ oder „Heiliger“ wird eine künstliche Distanz geschaffen, welche es für den Leser schwierig macht, die Aussagen umzusetzen, weil er unterbewusst glaubt, das funktioniere nur beim Guru oder Meister, der ja etwas Besseres sei. Wir alle sind Meister unseres eigenen Lebens!

Als Mentalcoach bieten Sie Gruppenseminare ebenso an wie individuelle Sitzungen. Was sind die häufigsten Anliegen, mit denen sich Menschen an Sie wenden?

In der heutigen schnelllebigen Zeit und durch die Vielfalt der Möglichkeiten kommen oft Menschen auf mich zu, die sich in gewissen Teilen verloren haben. Sie wissen nicht mehr, wer sie eigentlich sind und was sie wollen, ob privat oder beruflich. Sie haben sich jahrelang nach äußeren Werten statt nach innen gerichtet und dabei den Zugang zu sich selbst verloren. Diese Menschen begleite ich dann auf ihrem eigenen Weg zurück zu sich selbst. Aus diesem Grund sind die meisten meiner Coachings keine lang anhaltenden Prozesse, denn ich kann nur helfen, die Laufrichtung umzukehren, der Mensch muss aber selber den Weg zurück zu sich selbst beschreiten.

In Ihrem Buch „Annehmen und Loslassen“ gehen Sie der uralten Frage nach dem Sinn des Lebens nach. Zu welchem Schluss kommen Sie dabei?

Ohne weit auszuholen, geht es für uns Menschen im Grunde darum, die schöpferische Grundenergie der bedingungslosen Liebe hier auf der Erde zu erfahren und vor allem unser Leben mit bedingungsloser Liebe leben zu können. Wir entstehen aus dieser schöpferischen Liebe, aber diese auch in unserer Bewusstseinsform und in dieser 3-D-Welt voller Emotionen zu erleben: Das ist die Herausforderung. Durch unser Leben tragen wir zur Schöpfung bei – wie jedes andere Leben auch – und das ist der Sinn des Lebens.

Der Titel des Buches gibt offensichtlich ein bedeutendes Rezept für ein erfülltes Leben wieder. Welche Rolle spielt die Spiritualität hierbei?

Die größte Rolle, da sie die Basis für meine Bücher ist. Ich bin ein spiritueller Mensch und mir ist es auch wichtig, dass dies in meine Bücher einfließt, jedoch immer auch in der Balance zur Menschlichkeit. Wie fast alle anderen Menschen, gehe ich einem Job nach, trinke ab und zu mal ein Glas zu viel und mache Fehler. Wir sind genau deswegen hier, um Menschlichkeit zu erfahren, und die Spiritualität kann uns dabei helfen, sie mit Bewusstsein und der Verbundenheit der Schöpfung zu erfahren, damit wir in der Balance bleiben.

Das zweite Buch „Das LIV Prinzip“ beschreibt die Bedeutung der Achtsamkeit für die Lebensentfaltung. Was genau muss man sich unter „Life Inspired Values“ vorstellen?

LIV steht für „Leben“, „Inspiration“ und „Werte“ (engl. „values“) und ich behaupte, dass wir mit diesem Prinzip zur Life-Balance finden, wenn wir diese drei Elemente im Gleichgewicht halten. Die Work-Life-Balance ist Geschichte, es ist an der Zeit, dass wir uns nicht mehr auftrennen müssen, sondern unser Tun mit unserem Sein verbinden. Nachdem ich das Buch veröffentlicht hatte, kam ein Mann auf mich zu, der sagte, dass seine Tochter Liv heißt. Ich fragte dann nach der Bedeutung des Namens und erfuhr, dass dieser aus Skandinavien kommt und „Leben“ und „Schutz“ bedeutet. Also ist das LIV Prinzip auch ein Lebensschutz-Prinzip – und das passt doch!

Auch Ihre Unternehmensberatung trägt den Namen „Life Inspired Values“. Was läuft Ihrer Meinung nach in der modernen Arbeitswelt schief?

Unser Unternehmen richtet sich in seinen Beratungen und Coachings nach lebensinspirierten Werten. Es gilt dabei, die Werte im Unternehmen zu fördern, welche das Leben und die Inspiration der Mitarbeiter wie auch der Kunden fördert. Kein Unternehmen kauft oder verkauft je ein Produkt: Es ist immer der Mensch dahinter, der dies tut. Der Mensch steht immer im Zentrum des Unternehmens. Ohne Menschen gibt es kein Unternehmen und darum muss ein Umdenken stattfinden. In den letzten Jahrzenten wurde der Fokus auf die Technik und Infrastruktur gerichtet, Prozesse wurden optimiert und der Mensch blieb als tragende Ressource des Unternehmens auf der Strecke. Die vielen Burnouts sind nur ein erkennbares Resultat daraus. Wir setzen uns dafür ein, den Menschen im Unternehmen wieder in das Zentrum zu setzen. Wertschöpfung durch Wertschätzung der Mitarbeiter wirkt sich auf die Zufriedenheit im gesamten Unternehmen aus. Und diese Zufriedenheit überträgt sich auf den Kunden. Langfristig werden sich die Werte der Unternehmen verschieben, weg von der reinen Ressourcenausnutzung und hin zur Potenzialentfaltung der Mitarbeiter.

Wie kann ein Unternehmen den Gedanken der Achtsamkeit und Nachhaltigkeit realisieren, ohne dass die Produktivität darunter leidet?

Glückliche Mitarbeiter sind bereit, mehr für das Unternehmen zu leisten. Wenn die Unternehmen achtsam und mit Wertschätzung mit ihren Mitarbeitern umgehen und sie in ihren Talenten fördern, können sie erreichen, dass der Mitarbeiter nicht nur zur Arbeit kommt, sondern sich mit der Arbeit erfüllt fühlt, weil er das tut, was ihn inspiriert, damit er sich entsprechend entfalten kann – weg von der Work-Life- und hin zur Life-Balance. Dies wollen wir doch alle – egal, ob Selbstständiger oder Angestellter. Erst, wenn der Montagmorgen eine positive Bedeutung erhält, haben wir dies erreicht – und genau da müssen die Unternehmen hinsteuern.

Im Herbst soll auch eine CD von Ihnen auf den Markt kommen. Was wird darauf zu hören sein?

Die CD enthält einzelne Übungen mit Suggestionen aus meinen Buch „Annehmen und Loslassen“. Dabei geht es grundsätzlich darum, Blockaden und Muster aufzulösen und seinen Lebensweg zielgerichtet anzugehen. Der Ablauf der CD ist nach dem autogenen Training aufgebaut, weil ich persönlich sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe. Das autogene Training bietet eine gute Möglichkeit, mit einem kleinen zeitlichen Aufwand möglichst effektive Resultate zu erzielen – in der heutigen schnelllebigen Zeit ein Anspruch vieler Menschen.

Mentalcoach, Achtsamkeitstrainer, Eventmanager, Unternehmensberater und nicht zuletzt Erfolgsautor: Wie bringt ein Tausendsassa wie Sie das alles unter einen Hut, ohne in Zeitnot zu geraten?

Wie es jede Mutter tut! Mit einem guten Zeitmanagement und Achtsamkeit für das Wesentliche. Ich habe gelernt, zwischen meinen Terminen genügend Zeit einzurechnen, und richte meinen Fokus nur auf die Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Der Informationsfluss der heutigen Zeit und die Möglichkeiten der verschiedensten Kommunikationsarten durch das Internet hindern viele Menschen daran, sich auf das zu konzentrieren, was für sie wirklich wichtig ist – und so gelangen sie in Zeitnot. Diesem Trend halte ich entgegen.