Liebt er mich?

Die Liebe kann so schön und erfüllend sein! Endlich hat man den Mann gefunden, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen und gute wie schlechte Zeiten teilen will. Glaub man – bis sich eine leise Stimme meldet, die zweifelnd fragt, ob man sich etwas vormacht …

Eigentlich ist doch alles ganz einfach: mann findet Frau attraktiv, Frau erwidert die Sympathien, Mann und Frau treffen einander, verlieben sich, gehen eine Partnerschaft miteinander ein, meistern fortan alle Schwierigkeiten gemeinsam und leben glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage. Leider funktioniert das aber nur im Märchen. Wer schon einmal verliebt war, innig geliebt und eine Beziehung geführt hat, weiß: Bei allem romantischen Zauber bringt die Liebe auch ein ganze menge Arbeit mit sich. Neben Streitigkeiten über nervige Angewohnheiten, Uneinigkieten bei der Wohnungseinrichtung und diversen Grundsatzdiskussionen kennt die Liebe einen besonders fiesen Begleiter: den Zweifel! Genau dann, wenn man eigentlich überhaupt nicht damit rechnet, flüstert er uns urplötzlich zu: „Ist er wirklich der Richtige?“ Er stellt uns die gemeine Frage: „Willst du mit diesem Mann, dessen Manieren in einem sehr frühen Entwicklungsstadium stehen geblieben sind und der Zechrunden mit seinen Freunden für lebensnotwendig erachtet – willust du mit diesem Mann ernsthaft ein Leben planen?“

Oder noch schlimmer: „Liebt er dich eigentlich?“ Hat sich diese Frage erst einmal im Kopf eingenistet, so spukt sie dort oft hartnäckig herum. Auf einmal wird jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt, jede seiner Gesten völlig neu interpretiert – und mit der unbeschwerten Zweisamkeit ist es erst einmal vorbei..

Dann kommt der Punkt, an dem sich die ersten Zweifel regen …

Susanna kennt diese Unsicherheiten nur allzu gut. Dabei würde man auf den ersten Blick nicht vermuten, dass die 33-jährige jemals Zweifel empfindet. „Im Job läuft alles bestens. Als Abteilungsleiterin treffe ich Entscheidgungen, kann Situationen schnell und sicher beurteilen und lölse Probleme rasch und effizient“, erzählt sie. Doch sobald der Büroalltag hinter ihr liegt, ist es mit Susannas Sicherheit nicht mehr weit her. „Ich lebe seit einem halben Jahr wieder in einer Beziehung und bin über beide Ohren verliebt!“

Will er nur spielen?

Trotzdem fragt sich  Susanna ständig, ob er für sie dasselbe empfindet, ob er ernsthaft an einem Leben mit ihr interessiert ist oder ob er nur mit ihr spielt. Im Gegensatz zur Arbeit weiß Susanna einfach nicht, ob es im Gefühlsleben objektive Kriterien gibt.

Eine Checkliste wie beim ADAC gibt es für die Liebe zwar nicht – schließlich sind Gefühle nicht so berechenbar wie der Ölstand – dennoch lassen gewisse Kriterien darauf schließen, wie ernst jemand es meint. Wenn sich der Partner eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann und Oläne schmiedet, in der seine Liebste einen festen Platz hat, und sich verbindlich zeigt, so sind das gute Zeichen!

Gemeinsame Zukunftsplanung

Umgekehrt ist eine gewisse Skepsis sicherlich angebracht, wenn der Mann wenig Interesse am leben und den Sorgen seiner Partnerin zeigt, nie von „wir“, sonder immer nur von „ich“ spricht und die Beziehung immer unverbindlich lässt. Für Karin waren das die Alarmzeichen: „Gabriel hat mir wirklich den Kopf verdreht. In war längere Zeit alleine und sehr glücklich, endlich wieder jemanden gefunden zu haben. Aber nach drei Monaten fing ich langsam an, mich zu fragen, was da eigentlich läuft. Wir verstanden uns bestens, aber Gabriel zeigte nie die Bereitschaft, in unsere noch junge Liebe zu investieren. Ich hatte das Gefühl, dass er die Zeit mit mir zwar genoss, aber sich nicht ernsthaft binden wollte. von gemeinsamen Plänen konnte keine Rede sein, er sprch ständig davon, dass es sein Traum wäre, allein als Aussteiger in einem Wohnmobil durch die USA zu reisen. Irgendwann fiel mir auf, dass mich dieser Mann nicht wirklich lieben kann, dass in seinem Leben auf Dauer kein Platz für eine Frau ist.“ Karin zog schließlich einen Schlussstrich, auch wenn es schmerzhaft war. Denn noch schmerzhafter war es, sich der Zuneigung des Mannes nicht sicher zu sein und keine gemeinsame Perspektive zu haben.

Die Farben der Liebe sind  Rosarot und Himmelblau, würde man wahrlich spontan sagen. Leider muss man die rosarote Brille aber irgendwann abnehmen und von Wolke sieben auf die Erde zurückkehren. Dort warten ganz andere Faben auf uns: Wie wäre es mit Gelb für Eifersucht und Giftgrün für Unsicherheit? Wenn sich die Hormone beruhigt haben und der erste Taumel der Glückseligkeit vorbei ist, wäre es an der Zeit, sich dem Alltag zu stellen. Jetzt zeigt sich, ob man wirklich zusammenpasst, die richtigen Kompromisse gefunden hat und in der Beziehung Ausgeglichenheit herrscht. All das traf auf Tatjana und Ernst zu und doch fehlt ihr etwas. „Auch nach einem Jahr hatte Ernst noch nie gesagt, dass er mich liebt. Er signalisierte mir durch sein Verhalten zwar, dass er gerne mit mir zusammen ist, aber ich war mir trotzdem nie ganz sicher. Ich wollte einfach die magischen drei Worte hören“, sagt Tatjana. Nach längerer Zeit sprach sie Ernst schließlich offen darauf an. „Er erklärte mir dann, dass es sich schwer tut, seine Gefühle auf diese Weise auszudrücken, dass er Angst vor der großen Erwartung hat, die hinter diesen Worten steckt, und dass er fürchtet, mich zu enttäuschen“, so Tatjana, die sich nach dieser Unterredung ganz sicher war: „Er liebt mcih. Sonst hätte er diese Worte wohl einfach dahingesagt, ohne sich Gedanken zu machen …“

Manche Menschen haben das Gefühl, es gar nicht wert zu sein, von ihren Partnern geliebt zu werden, und warten daher ständig auf Liebesbeweise.

Un wenn ich ihn mehr liebe?

Angst vor Gefühlen, Zweifel an der eigenen Person, Misstrauen nach einer Enttäuschung: Die Frage, ob er einen wirklich liebt, hat viele Facetten. Und sie geht die seltsamsten Wege, wie Anna erkennen musste. Die 24-jährige Studentin ist eher schüchertn und zurückhaltend. Seit zwei Jahren ist sie mit dem extrovertierten Max zusammen. „Abgesehen von den üblichen Reibereien lief alles bestens. Bis ich eines Tages diese Sitcom sah“, erzählt Anna. „Es ging da um eine chaotische Familie mit vier Söhnen, in der die Mutter sehr dominant ist und sowohl die Söhne als auch den Mann fest im Griff hat. Die Folge war wirklich sehr lustig, aber es gab eine Szene, in der sie ganz verzweifelt zu ihrem Mann sagte, er würde sie wohl mehr lieben als sie ihn“.

Bin ich es überhaupt wert?

Das gab Anna zu denken und sie fragt sich auf einmal, was wäre, wenn sie Max mehr liebe als er sie. „Ich war mir sogar ziemlich sicher, dass es so sein müsse. Ein so cooler, selbstbewusster Typ wie Max kann ein stilles Mädchen wie mich doch gar nicht so sehr lieben!“ Anna war durch diesen Gedanken sehr verunsichert: „Ich sah mich plötzlich in einer schlechten Position. Ich war mit einem Mal die Schwächere, hatte das Gefühl, dass unsere Beziehung unausgeglichen war und auf Dauer sowieso nicht gut gehen könnte. Und alles nur wegen einer Fernsehserie! Ich kam mir ein wenig kindisch vor und konnte Max auch nicht darauf ansprechen.“

Wer zu wenig Selbstbewusstsein hat, lässt sich schnell aus der Bahn werfen – gerade in Sachen Liebe. Ein Problem, das Antonia lange Zeit hatte: „Ich fühlte mich meinen Partnern immer unterlegen, hatte das Gefühl, es gar nicht wert zu sein, von ihnen geliebt zu werden. Ich wartete ständig auf Liebesbeweise und war gleich verzweifelt, wenn er einmal müde war, keine Lust zu reden hatte oder über ein Problem grübelte. Ich dachte dann immer gleich, er würde mich ja doch nicht lieben. Ich glaube, ich habe mit dieser Unsicherheit auch viel zerstört. Bis ich eines Tages erkannte: Ich liebe mich ja selbst nicht, wie soll ich da die Liebe eines anderen zulassen?“

Für Antonia war es ein langer Prozess zu lernen, sich selbst zu akzeptieren, auch mit Schwächen. Heute sagt sie: „Niemand ist perfekt und kleine Fehler machen uns doch erst liebenswert. Ich haben seit Kurzem einen neuen Partner und zum ersten Mal kann ich es wirklich genießen, geliebt zu werden. Und wenn mein Schatz einmal schlechte Laune hat, stelle ich deswegen seine Liebe zu mir nicht mehr gleich infrage.“

Die gemeinsame Basis

Mit dieser Einsicht und der daraus resultierenden Einstellung hat Antonia ziemlich gute Vorraussetzungen für eine harmonische Beziehung geschaffen, denn selbst wenn Zweifel manchmal durchaus angebracht sein mögen, so bringen sie uns doch nur allzu oft dazu, uns einfach etwas einzubilden. Und ganz plötzlich hat man dann ein Problem, das vorher eigentlich nicht da war und das man auch nicht so leicht in den Griff bekommt.

Umso wichtiger ist es daher, dass man in einer Partnerschaft eine gemeinsame Basis schafft, denn das Phänomen der Liebe ist ganz individuell und kann aus diesem Grunde auf unterschiedlichste Arten zum Ausdruck kommen. Während der eine dramatisch inszenierte Liebeserklärungen mit Champagner und Rosensträußen für der Weisheit letzten Schluss hält, drückt der andere seine Gefühle vielleicht eher auf eine sehr stille und unspektakuläre Weise aus. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er deswegen weniger liebt.

Schwierig kann es allerdings dann werden, wenn Mann und Frau mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen an die Sache herangehen. Nur zu schnell ist in diesem Falle einer der beiden enttäuscht und fühlt sich vielleicht sogar ungeliebt, während sein Partner oder seine Partnerin permanent unter Druck steht und überhaupt nicht weiß, was er denn nun wieder falsch gemacht hat.

Woran erkennt man die wahre Liebe?

Ein Patentrezept für eine erfüllte Liebe gibt es leider ebenso wenig wie für ein glückliches und sorgenfreies Leben. Aber es bestehen ein paar Indikatoren, die erkennen lassen, ob eine Beziehung nun auch tatsächlich funktioniert oder nicht, und die man in dieser Frage zurate ziehen kann. Auch wenn es ein wenig unromantisch klingen mag: Wahre Liebe basiert stets auf einem ausgeglichenen Verhältnis von Geben und Nehmen.

Unbewusst zieht jeder von uns immer in irgendeiner Form Bilanz über das, was er in eine Partnerschaft einbringt und was er dafür erhält. Wenn wir dann feststellen, dass der Partner genauso viel in unsere Beziehung investiert, wie wir selbst, dann können wir vorerst einmal doch schon zufrieden sein.

Versuchen Sie besser nicht, die Intensität der Liebe zu messen, zu bewerten und nach einer Skala zu beurteilen! Emotionen sind nichts, was sich in eine wissenschaftliche Versuchsanordnung pressen lässt. Versuchen Sie stattdessen, die Liebe zu spüren, zu erfühlen und zu genießen! Und vor allem: Erpressen Sie keine Liebesgeständnisse von Ihrem Liebsten! Das hat keinen Sinn und bringt Ihnen auch absolut nichts. Geben Sie ihm vielmehr die Chance, selbst die passende Ausdrucksform für seine Gefühle zu finden! Ein mehr oder weniger erbetteltes „ich liebe dich“ ist wohl in den seltesten Fällen dazu geeignet, aufkommende Zweifel zu zerstreuen.

Hören Sie mehr auf Ihr Herz, vertrauen Sie Ihrem „Bauchgefühl“ und geben Sie auch Ihrem Verstand eine Stimme! Dann wird das Märchen von Mann und Frau , die sich verlieben, eine Partnerschaft miteinander eingehen, fortan alle Schwierigkeiten gmeinsam meistern und glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage leben, vielleicht doch wahr …

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