Rede mit mir!

Viele Frauen beklagen sich, dass die Herren der Schöpfung in Langzeitbeziehungen immer wortkarger werden. Aber was macht die Männer im Laufe der Zeit eigentlich so schweigsam?

„Wir sind seit vierzehn Jahren verheiratet und führen eigentlich eine vorbildliche Ehe. Robert hat mich immer gut behandelt, war all die Jahre treu und hat sich auch sonst nichts zuschulden kommen lassen. Wir halten noch immer fest zusammen und würden miteinander nach wie vor durch dick und dünn gehen“, schildert Regine, im Horoskop Widder, ihre Ehe. „Nur in einem Punkt hat sich mein Mann leider sehr zu seinem Nachteil verändert: Er spricht kaum noch mit mir! Wenn ich wissen möchte, wie es ihm geht und wie sein Arbeitstag verlaufen ist, dann muss ich ihm das förmlich aus der Nase ziehen. Ich weiß oft nicht einmal mehr, was in ihm vorgeht – und ob er mich überhaupt noch liebt …“
Regine schildert ein weitverbreitetes Phänomen: In der Kennenlernphase und am Anfang einer Partnerschaft erweisen sich die meisten Männer durchaus als gesprächig, wollen alles über ihre Angebetete erfahren und tauschen sich mit ihr mit Leidenschaft über Gott und die Welt aus. Spätestens, wenn sie der Überzeugung sind, alles Wissenswerte über ihren Liebling in Erfahrung gebracht zu haben, lässt ihr Interesse an der Partnerin scheinbar nach und sie werden zunehmend wortkarger.
So ist es keine Seltenheit, dass sich die Eheleute – das gilt natürlich auch für unverheiratete Paare – am Ende eines langen Arbeitstages zu Hause einfinden und eigentlich über den Tagesverlauf und ihre Erlebnisse austauschen sollten. Was folgt, ist hingegen eine Konversation, die diese Bezeichnung nicht einmal ansatzweise verdient. Während die Frau zumeist lang und breit schildert, was ihr im Laufe des Tages an angenehmen und weniger angenehmen Dingen widerfuhr, antwortet der Mann auf die Frage, wie denn sein Tag so war, oft nur mit einem schlichten „okay“ oder „ging so.“
„Manchmal komme ich mir vor wie eine Reporterin, die ein Interview führt“, beschreibt Regine die Situation. Wenn sie nachfragt, was Robert denn gemacht hatte, lautet die Antwort „nicht viel“ und auf die Frage, ob etwas Besonderes vorgefallen sei, erhält sie nur ein schlichtes „Nein“. „Wenn ich weiterbohre, bekomme ich nicht selten zu hören, dass ich nicht so viel reden solle, weil er erschöpft sei. Manchmal sagt er sogar, ich solle ihn in Ruhe lassen, und starrt stumm in den Fernseher. Ich finde dieses Verhalten unhöflich und fühle mich nicht nur unfreundlich behandelt, sondern auch unverstanden!“

Männer haben eine andere Erwartungshaltung

Der Umfrage einer deutschen Partnerbörse zufolge nimmt die Bereitschaft zur Kommunikation in einer Beziehung mit zunehmendem Alter ab. Während Paare unter dreißig noch durchschnittlich 114 Minuten pro Tag miteinander sprechen, sind es bei Paaren über sechzig nur noch 89 Minuten – und in den meisten Fällen scheint dies an den Männern zu liegen. Die lange Zeit gängige Erklärung, dass Frauen einfach mehr reden als Männer, hat sich mittlerweile allerdings als Irrtum herausgestellt: Einer Langzeitstudie der Universität von Arizona zufolge sprechen Frauen durchschnittlich etwa 16.200 Wörter pro Tag, während es bei Männern 15.700 Wörter sind – also kein nennenswerter Unterschied!
Woher kommt also die Schweigsamkeit der Herren der Schöpfung? Der springende Punkt ist die unterschiedliche Erwartungshaltung der beiden Geschlechter in Langzeitbeziehungen: Während Frauen durch die Kommunikation eine Verbindung zum Gegenüber herstellen und damit ein Gefühl von Nähe schaffen wollen, genießen Männer zwar die Gegenwart ihres Lieblings, wollen aber am Ende des Tages in erster Linie abschalten und ausspannen. Mit einem anregenden Gespräch, ja selbst mit dem aufmerksamen Zuhören ist das starke Geschlecht in vielen Fällen schlichtweg überfordert.
Männer sind sowohl genetisch als auch soziologisch darauf programmiert, Probleme zu lösen und Aufgaben zu erledigen. Gibt es keine Probleme und keine Aufgaben, so betrachten sie in vielen Fällen eine Konversation als reine Zeitverschwendung. Während Frauen die Kommunikation als entspannend und angenehm empfinden, ist sie für Männer einfach anstrengend und somit unangenehm.
Diese unterschiedliche Herangehensweise wird auch dann deutlich, wenn Frauen ihren Partnern von Schwierigkeiten bei der Arbeit oder von Unstimmigkeiten mit einer Freundin erzählen. Sie möchten in diesem Fall bloß ihr Herz ausschütten und suchen jemanden, der ihnen einfach nur zuhört, weil es ihnen dann wieder besser geht. Ein Mann sieht diese Schilderungen hingegen als Auftrag, das bestehende Problem zu lösen: Statt der Frau einfach nur ein Ohr zu leihen, macht er Vorschläge, wie man die Situation bereinigen könnte – während ihr das Reden reicht, steht für ihn das Tun im Vordergrund …

Männer haben eine Mission zu erfüllen

Und warum funktioniert die Kommunikation dann beim Kennenlernen so gut? Die meisten Männer sind gerade in der Anfangsphase aufmerksame Zuhörer, charmante Plauderer und einfühlsame Gesprächspartner! Doch das ist keineswegs ein Widerspruch: In diesem Stadium haben die Männer ja eine Aufgabe – die Angebetete zu erobern und für sich zu gewinnen! Haben die Herren dieses Ziel erst einmal erreicht und ihre Mission erfüllt, dann gilt die Aufgabe als erledigt und das Problem als gelöst – eine weitere Notwendigkeit zur Konversation besteht somit nicht!
Das heißt allerdings keineswegs, dass die Frau dem Mann ab nun weniger bedeutet: Er geht einfach nur mit einer anderen Einstellung an die Partnerschaft heran! Besonders deutlich wird das, wenn beispielsweise ein Nebenbuhler auf den Plan tritt: In diesem Fall sieht der Mann wieder die Notwendigkeit gekommen, entsprechende Schritte zu setzen, um sich gegen den Störenfried durchzusetzen und die Loyalität seiner Liebsten zu sichern – und so wird er auch wieder jenes Verhalten an den Tag legen, das er in der Anfangsphase zeigte!
Das heißt jetzt natürlich nicht, dass Sie Ihren Partner unbedingt eifersüchtig machen müssen, damit er mehr mit Ihnen spricht: Es gibt auch andere Möglichkeiten, seine Aufmerksamkeit zu erregen! Am besten gelingt dies, wenn Sie ein Gesprächsthema wählen, von dem Sie sicher sein können, dass es den Mann interessiert – selbst dann, wenn er sich eigentlich nach Ruhe sehnt. Statt einen Bericht von seinem Tagesablauf einzufordern, empfiehlt es sich, ihn auf seine Lieblingsmusik, seine Fußballmannschaft oder eines seiner Hobbys anzusprechen: Wenn Sie hier mit Neuigkeiten aufwarten, haben Sie schon gewonnen!
Darüber hinaus empfiehlt es sich, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen: Auch, wenn Sie beim Heimkommen darauf brennen, Ihrem Mann die Neuigkeiten des Tages zu berichten, sollten Sie ihm zuerst die Möglichkeit geben, sich ein wenig zu akklimatisieren: Nach einer Stunde sind die meisten Männer schon wesentlich gesprächiger! Wenn Sie dies berücksichtigen, dann werden Sie nicht nur bald ins Gespräch kommen, sondern erkennen, dass Ihr Liebling sehr wohl auch Interesse an Ihren Anliegen hat …

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