Schluss mit schnell!

Mit seinem neuen Film hält der französische Filmemacher Philippe Borrel ein Plädoyer für die „Entschleunigung“ des Lebens.

„Wir steuern sehenden Auges auf Katastrophen zu, ohne dass das unseren Alltag stört. Niemand denkt an den Zeitdruck, unter dem wir ständig stehen. Ein Selbstmörder weiß wenigstens, dass er sich umbringen will, aber wir liefern uns ein selbstmörderisches Rennen, ohne das überhaupt zu wissen!“ Diese aufrüttelnden Worte des französischen Soziologen Edgar Morin sind der Auftakt zu einem Dokumentarfilm des französischen Regisseurs Philippe Borrel, dessen Inhalt vielen von uns aus der Seele spricht – und allen anderen zu denken geben sollte!

Die Kernfrage des Streifens „Schluss mit schnell!“ lautet: Was haben wir Menschen eigentlich aus der Zeit gemacht? Sie scheint sich der unkontrollierten Entwicklung von Wissenschaft und Technik und dem allgemeinen Diktat von Wirtschaft und Finanzwesen untergeordnet zu haben. Wir leben längst in einer Ära der Hochgeschwindigkeit, in der die Unverzüglichkeit zur Norm geworden ist.

Die globalisierte, weltumspannende Beschleunigung hat jeden von uns im Würgegriff und setzt uns unter einen permanenten Zeitdruck, sodass wir nur noch verzweifelt danach streben, alles immer schneller, effizienter und rentabler zu machen. Und welchen Preis zahlen wir dafür? Durch den wachsenden Zeitdruck steuert unsere Gesellschaft auf eine wirtschaftliche, ökologische und nicht zuletzt soziale Katastrophe zu!

Ganz ohne Widerspruch wird diese besorgniserregende Entwicklung allerdings nicht hingenommen, denn es gibt eine Gegenbewegung, der sich immer mehr Frauen und Männer anschließen! In aller Welt weigern sich Menschen, sich dem allgegenwärtigen Stress zu unterwerfen, und sind fest entschlossen, sich dem kompromisslosen Diktat der Dringlichkeit auf einem Planeten zu widersetzen, dessen Ressourcen begrenzt sind!

Ode an ein selbstbestimmtes Dasein

Egal, ob in Europa, den USA, Lateinamerika oder Indien: Überall gibt es Initiativen, die nach alternativen Wegen suchen, um zu einem vernünftigen Umgang mit der Zeit zurückzukehren und dem Leben wieder Sinn und Würde zurückzugeben. In „Schluss mit schnell!“ stellt Philippe Borrel einige dieser modernen Rebellen vor, die sich bemühen, eine vernünftigere Beziehung zur Zeit herzustellen und einen humaneren Rhythmus vorzuleben.

Dazu gehören etwa die behutsamen Versuche einer Entglobalisierung, wie sie die Städte Bristol und Romans-sur-Isère unternehmen, indem sie eine alternative Währung eingeführt haben, die das Alltagsleben wieder lokaler machen soll. Einen ähnlichen Weg geht man im amerikanischen Ithaca, wo Landwirtschafts- und Kreditgenossenschaften die Wirtschaft bewusst lokal verankert haben. Ein anderes Beispiel ist das indische Barefoot College, das Tausende von Frauen aus ländlichen Regionen in der Produktion von Solartechnik schult.

Beispiele wie diese dienen als Gegenmodell zum globalen Wettlauf um die Zeit und können sehr wohl als Vorbilder dienen, wie die Welt von morgen auch aussehen könnte. Sie verkörpern die praktische Umsetzung kritischer Analysen von Philosophen, Soziologen und Ökonomen wie Bunker Roy, Rob Hopkins, Pierre Dardot oder Geneviève Azam.

Damit ist „Schluss mit schnell“ nicht nur eine Dokumentation über Menschen, die sich auf unterschiedliche Weise dem globalen Trend einer hemmungslosen Beschleunigung entziehen wollen, sondern auch ein Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben und eine Ode an ein bewussteres und achtsameres Dasein …

Linktipp: https://www.youtube.com/watch?v=ki8vnvzmCE8

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