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Mein Partner spioniert mich aus!

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Nicht selten gibt eine kurze Verspätung oder ein unerwarteter Anruf schon Anlass zur Eifersucht. Was folgt, sind misstrauische Fragen, durchwühlte Taschen und mehr. Täter wie Opfer stehen dieser Entwicklung oft hilflos gegenüber.

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft! Dass dieser alte Spruch den Nagel auf den Kopf trifft, ist bereits aus der Herkunft des Ausdrucks „Eifersucht“ ersichtlich, der sich von den althochdeutschen Wörtern „eiver“ (das Bittere) und „suht“ (die Krankheit) ableitet. Und wie eine bittere Krankheit kann auch dieses Gefühl Menschen befallen und ihr Verhalten so stark verändern, dass eine Partnerschaft mehr und mehr vergiftet wird, bis sie qualvoll zugrunde geht.
Renate ist eine fröhliche junge Frau, die viel mit ihren Freundinnen unternimmt und einmal pro Woche auch mit der Damenrunde ausgeht. Aufgrund ihres attraktiven Aussehens und ihrer herzlichen Art wird sie dabei natürlich von Männern angesprochen, was für sie kein Problem war – sehr wohl aber für ihren Freund Reinhard, mit dem sie seit etwas mehr als einem Jahr zusammen ist.
„Ich liebe Renate und würde alles für sie tun. Nur der Gedanke, dass ein anderer Mann sie mir wegnehmen könnte, machte mich verrückt“, schildert Reinhard sein Problem. „Wenn Renate mit ihren Freundinnen um die Häuser zog, malte ich mir zuhause die furchtbarsten Dinge aus. Sie sieht so gut aus und ist so freundlich, dass andere Männer sie ständig anbaggern – und die Angst, dass sie einmal schwach werden könnte, machte mich krank.“

Unterschiedliche Wahrnehmung

Renate hatte diese Furcht lange Zeit nur ein mildes Lächeln gekostet: „Für mich ist Treue eine Grundvoraussetzung für eine harmonische Beziehung. Ich liebe Reinhard, und andere Männer interessieren mich nicht. Darum verstand ich überhaupt nicht, wovor er Angst hatte und warum er mir nicht traute.“ Reinhards Misstrauen führte aber immer öfter zu lautstarken Auseinandersetzungen, denn wenn Renate nach Hause kam, wollte er ganz genau wissen, wo sie gewesen war. Diese Verhöre wurden immer strenger und immer öfter verdächtigte er sie der Untreue.
„Wenn ich das Ganze nüchtern betrachtete, leuchtete mir schon ein, dass ich da übertrieb, aber ich konnte nicht anders! Wir wissen ja, wie so etwas läuft: Da trinkt eine hübsche Frau ein Gläschen zu viel, wird von Männern angemacht, und wenn dann einer dabei ist, der ihr gefällt, dann vergisst sie nur allzu schnell, dass zuhause jemand auf sie wartet“, schildert Reinhard seine damalige Perspektive.
„Wenn Renate mit ihren Freundinnen ausging, dann war das die Hölle für mich! Ich konnte mich weder auf ein Buch noch auf das Fernsehprogramm konzentrieren, weil ich mich ständig fragte, was sie wohl gerade trieb und warum sie nicht bei mir daheimbleiben wollte. Wenn es später wurde, konnte ich kein Auge zumachen, bis sie endlich zu Hause war …,“ erzählt Reinhard weiter.

Abnormes Verhalten

Leider steigerte sich Reinhards Eifersucht immer mehr. Im Laufe der Zeit reichten ihm die üblichen Verhöre, das heimliche Durchsuchen von Renates Taschen oder das regelmäßige Überprüfen ihres Handys und ihres E-Mail-Accounts nicht mehr: Mehr und mehr ging er dazu über, sie auch außer Haus auszuspionieren! Wenn sie sich mit Freundinnen traf, folgte er ihr immer öfter heimlich. Bald wurde dieses Verhalten zur Gewohnheit und er beschattete sie regelrecht. In den ersten Wochen schöpfte Renate keinerlei Verdacht, doch nach und nach kam ihr vor, sie hätte ihren Freund mal hier und mal da vorbeihuschen gesehen …
Dass dies keine Einbildung war, erkannte sie, als sie sich in einem Café darüber wunderte, dass ein Mann, der sich ein paar Tische weiter hinter einer großformatigen Zeitung verbarg, dieselbe Kleidung trug wie Reinhard. Als sie auf ihn zuging, musste sie entsetzt feststellen, dass er es tatsächlich war! An diesem Abend schaffte es der selbst ernannte Spion gerade noch, sich herauszureden, indem er behauptete, ihm wäre die Decke auf den Kopf gefallen, er wäre deshalb ins Café gegangen und er hätte sie gar nicht bemerkt.
Das gelang ihm zwei Wochen später nicht mehr. Renate war mit ihren Freundinnen zum Abendessen und anschließend ins Kino gegangen: „Nach dem herzerwärmenden Film ging das Licht an und wir standen auf. Als wir gerade in Richtung Ausgang gehen wollten, erspähte ich Reinhard schon wieder! Anscheinend hatte er die ganze Zeit ein paar Reihen hinter mir gesessen und mich überwacht – und das, obwohl er Kinobesuche im Allgemeinen und Frauenfilme im Besonderen hasst …“

Die Betroffenen stehen ihren Gefühlen meist hilflos gegenüber.

Mangelndes Vertrauen

„Ich konnte noch damit leben, dass er meine Sachen kontrollierte, weil ich ja nichts zu verbergen hatte. Doch seit dem Kinobesuch wusste ich nicht mehr, wie ich mit seinem Verhalten umgehen sollte. Ich hatte den Eindruck, mich für Dinge rechtfertigen zu müssen, die meine ebenfalls liierten Freundinnen und ich völlig normal fanden“, fährt Renate fort. „Diese Beschattungen waren jedenfalls der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Reinhard machte mir richtig Angst, weil ich das Gefühl hatte, mit einem Psychopathen zusammen zu sein!“
Reinhard war es nicht bewusst, wie sehr er Renate mit seinem Verhalten einschränkte und ihr zusetzte. Sie war verzweifelt, weil sie ihn liebte, aber keine Möglichkeit sah, ihn davon zu überzeugen, dass seine Eifersucht unbegründet war. Reinhard wiederum war krank vor Angst, seine geliebte Freundin zu verlieren.
Nun ist Eifersucht grundsätzlich nichts Schlechtes, solange sie sich in Grenzen hält. Schließlich beweist sie, dass uns etwas an einem Menschen liegt, den wir nicht verlieren wollen. Wenn allerdings Verlustängste und Besitzansprüche ins Spiel kommen, die wiederum zu Misstrauen und Kontrollwahn führen, dann sollten die Alarmglocken läuten: Jede intakte Beziehung basiert auf Vertrauen – und ist dieses nicht oder nicht mehr gegeben, so sind Probleme vorprogrammiert!

Krankhafte Eifersucht

Dabei ist Reinhard keineswegs ein Einzelfall: Viele Männer und Frauen haben mit diesem Problem zu kämpfen! Nimmt die Eifersucht krankhafte Ausmaße an, die zu einem völlig irrationalen Denken und Handeln führen, so wird sie eine Beziehung nicht nur gefährden, sondern auf Dauer auch zerstören!
Daher gilt es, den Anfängen zu wehren: Unangemessene Verhöre, regelmäßige Kontrollanrufe, das Durchstöbern von Kleidung oder Taschen, das Durchsuchen von Handys oder Computern und nicht zuletzt immer häufigere Kontroversen wegen einer vermeintlichen Untreue gehen eindeutig über ein zumutbares Maß hinaus und schränken die persönliche Freiheit des Partners oder der Partnerin ein. In diesem Fall ist es an der Zeit, sich das Problem einzugestehen und zu handeln!
Meist stecken hinter diesem Misstrauen ein geringes Selbstwertgefühl und eine schon in der Kindheit begründete Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren. Bisweilen helfen Gespräche, in denen das „Opfer“ den „Täter“ von seiner Liebe überzeugt. Reicht dies aber nicht aus, dann sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen! Reinhard erkannte jedenfalls rechtzeitig, dass er sich seinen Ängsten stellen musste, und war bereit, sich gemeinsam mit Renate einer Paartherapie zu unterziehen, die ihnen sehr geholfen hat …

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