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Meint er es ernst mit mir?

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Nicht immer verläuft das Kennenlernen ohne Schwierigkeiten: Eines der größten Hindernisse für eine dauerhafte Beziehung ist die brennende Frage, ob der Märchenprinz auch wirklich bereit ist, sich zu binden …

Man lernt einander kennen, findet einander attraktiv und sympathisch, entdeckt die vielen Gemeinsamkeiten, verliebt sich ineinander, wird ein Paar und lebt glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende. So oder so ähnlich skizzieren Literatur, Film und Fernsehen nicht selten den Werdegang einer ganz großen Liebe.
Damit kann die Wirklichkeit allerdings nur selten mithalten: So prickelnd und romantisch das Kennenlernen auch sein mag, so sehr wird die Anfangsphase zumeist durch Hürden und Fallen erschwert. Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer harmonischen und langfristigen Partnerschaft ist die oft quälende Frage, ob es der Mann der Träume denn auch wirklich ernst meint!
Die gut gemeinten Ratschläge aus dem Freundeskreis erweisen sich in den meisten Fällen eher als kontraproduktiv: Sätze wie „Wenn er nicht mit dir zusammenleben will, dann liebt er dich auch nicht!“ oder „Wenn er nur mit dir spielt, dann verschwendest du kostbare Zeit!“ mögen zwar aus dem ernsthaften Bemühen heraus entstehen, eine gute Freundin vor einer bösen Enttäuschung zu bewahren, bewirken aber nicht selten genau das Gegenteil!
Es handelt sich dabei um grobe Fehleinschätzungen der männlichen Psyche und der Denkmuster des vermeintlich starken Geschlechts, die eine kaum mehr zu bremsende Abwärtsspirale in Gang setzen! Tatsache ist vielmehr, dass es so manche glückliche und harmonische Beziehung wohl nicht mehr gäbe, wenn die betroffenen Damen auf diese Tipps gehört hätten, denn hier ist „gut gemeint“ eindeutig das Gegenteil von „gut gemacht“!

Ein unterschiedliches Tempo

Was in solchen Fällen enorm unterschätzt wird, ist die unterschiedliche Herangehensweise von Frauen und Männern an das Thema „feste Beziehung“! Davon weiß auch die 32-jährige Karin ein Lied zu singen: „Mein Freund und ich waren in einer verzwickten Lage! Ich war mir nach einem Jahr sicher, dass er der Richtige für mich wäre, und wollte mit ihm in eine gemeinsame Wohnung ziehen. Ralf wollte sich hingegen noch nicht so fest binden und trat bei meinen Vorschlägen zwar charmant, aber dennoch bestimmt auf die Bremse.“
Zu der persönlichen Enttäuschung darüber, dass ihre Pläne auf Widerstand stießen, kamen die Kommentare ihrer Freundinnen, die ihr immer wieder dazu rieten, die Beziehung mit Ralf doch zu beenden, um frei für einen Mann zu sein, der es auch wirklich ernst mit ihr meinen würde.
Karin bewies allerdings einen erstaunlichen Instinkt und hörte nicht auf ihre Freundinnen, sondern vertraute auf ihr Bauchgefühl: „Irgendetwas sagte mir, dass Ralf mich sehr wohl liebte und keineswegs mit mir spielte, aber einfach noch nicht so weit war. Und irgendwie spürte ich intuitiv, dass mein Drängen ihn eher abschrecken würde, während sich meine Geduld sehr wahrscheinlich bezahlt machen würde …“
Möglicherweise war es auch die Erinnerung an die frühen Anfangsphasen mit ehemaligen Verehrern, aus denen Karin unbewusst gelernt hatte! Damals war es ihr mehrmals passiert, dass sie einen Kandidaten zunächst spannend gefunden, aber dann wieder schnell das Interesse an ihm verloren hatte.
Der eine war von einem Tag auf den nächsten verliebt, erdrückte sie mit Liebesbekundungen und hätte sie am liebsten auf der Stelle geheiratet, was ihr alles viel zu schnell ging. Der andere war schon beim zweiten Date auf jedes männliche Wesen eifersüchtig und sorgte mehr als einmal für peinliche Szenen, die sie unerträglich fand. Erst Ralf ging mit jener coolen, selbstbewussten Gelassenheit an die Sache heran, die sie am Anfang so faszinierte – und die nun doch so hinderlich schien …

Das perfekte Timing

Auch, wenn Karin aufgrund seines leicht distanzierten Verhaltens nicht gleich in Ralf verliebt gewesen war, hatten sie von Anfang an immer eine schöne Zeit miteinander verbracht. Da das Ganze eher unverbindlich geschehen war und keiner der beiden Druck auf den anderen ausgeübt hatte, begann die zarte Knospe der Liebe zwar langsam, aber nicht weniger sicher zu sprießen …
Soll eine Beziehung auf Dauer funktionieren, dann muss sie einfach reifen: Es muss sich erst einmal genügend Vertrauen zwischen den beiden Partnern herausbilden, damit sie sich wirklich voll und ganz aufeinander einlassen und schließlich auch fallen lassen können!
Somit wären die beiden ja auf einem guten Weg gewesen, wenn sich da nicht folgendes Problem eingeschlichen hätte: Für Karin war im Laufe der Zeit klar geworden, dass Ralf der Richtige für sie war, und sie wollte daher einen Schritt weitergehen – doch genau dafür war Ralf eben noch nicht bereit!
So, wie Karin einst Ralfs Vorgänger zuerst einer eingehenden Prüfung unterzogen hatte, um festzustellen, wie weit sie mit ihnen harmonierte, tat dies Ralf nun mit ihr: Das lag nicht etwa daran, dass er sie weniger gemocht hätte als umgekehrt, sondern war einfach der Tatsache geschuldet, dass diese „Testphase“ bei Männern für gewöhnlich später einsetzt als bei Frauen! Als es langsam ernst wurde, wollte Ralf nur sichergehen, dass Karin auch wirklich die Richtige für ihn war …

Die richtige Taktik

Da es sich hier um eine „Testphase“ handelte, konnte Karin sehr viel richtig, aber auch sehr viel falsch machen! Ein nahezu fataler Fehler wäre es gewesen, Forderungen zu stellen oder Ralf gar unter Druck zu setzen, denn das hätte ihm gesagt, dass sie vielleicht doch nicht die Richtige war – und der vermeintliche Märchenprinz hätte aus einer Panikreaktion heraus das Weite gesucht …
Wenn Sie sich in einer solchen Situation befinden, dann müssen Sie Ihre ganze Geduld aufbringen, sich cool und unabhängig präsentieren und Ihrem Schatz damit zu verstehen geben, dass Sie nichts von Ihrer lockeren und entspannten Art eingebüßt haben.
So geben Sie ihm das Gefühl, dass Sie nach wie vor ein selbstbewusster und unabhängiger Mensch sind, der selbst für sich sorgen und selbst auf sich aufpassen kann! Und nur so geben Sie ihm auch zu verstehen, dass Sie ihm auf Augenhöhe begegnen und ein würdiges Gegenüber für ihn darstellen, mit dem er vielleicht sogar ein Leben lang durch dick und dünn gehen kann …
Tun Sie das nicht und vermitteln Sie ihm stattdessen den Eindruck, dass Sie einen Macher, einen Beschützer und vielleicht sogar einen Ernährer suchen, dem Sie sich im Gegenzug zu unterwerfen bereit sind, dann wird er Sie bald nicht mehr als gleichberechtigte Partnerin wahrnehmen, sich mehr und mehr von Ihnen entfernen und irgendwann das Interesse an Ihnen verlieren!
Zum Glück vertraute Karin mehr auf ihre Intuition als auf die Ratschläge ihrer Freundinnen und ließ die Beziehung mit Ralf weiterhin relativ ruhig und gemächlich angehen. Die Geduld hat sich gelohnt, denn die Strategie ging voll auf: Es vergingen zwar noch einige Monate, aber schließlich meinte er eines Tages, dass eine gemeinsame Wohnung doch eine feine Sache wäre …

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